Eine Meisterin ihres Fachs!

 

Text: Nathalie Benelli

Fotos: Christian Pfammatter

VISP | Seit Wochen sind die sieben Vorstellungen des Musicals Umbra ausverkauft. Die Erwartungen des Publikums sind hoch. Musiker und Darsteller proben in­tensiv. Die Kostümver­antwortliche, Claudia Pfammatter, arbeitet daran, dass das Spektakel auch den visuellen Ansprüchen genügt. 

Wenn Claudia Pfammatter über ihre Arbeit für das Mu­sical Umbra spricht, ist ihre Begeisterung spürbar. Die gelernte Damenschneiderin ist dafür verantwortlich, dass die Darstellerinnen und Darsteller in einem authentischen 1970/80er-Jahre-Look auf der Bühne stehen, wenn sich am 6. September der Vorhang des Theaters La Poste zum ersten Mal für das Riesenspektakel öffnet.

Die Vorbereitungen sind aufwendig. «Das Musical ist in meinem Kopf omnipräsent. Wo ich auch bin, lasse ich mich inspirieren, nehme Dinge wahr, die ich dann in meine Arbeit einfliessen lasse», sagt Claudia Pfammatter. Sie hat längst aufgehört, die Arbeitsstunden für Umbra zu zählen.

Mit Claudia Pfammatter holten die Verantwortlichen des Musicals eine Fachfrau ins Team. Nach ihrer Ausbildung zur Damenschneiderin 1998 war die Baltschiednerin lange selbstständig tätig. Seit 2008 arbeitet sie im Couture-Lehratelier in Siders als Dozentin. In einem Teilpensum unterrichtet sie aktuell Modezeichnen. Ihr Fachgebiet umfasst weiter Kollektionsgestaltung und Kostümgeschichte.

Lange Erfahrung

Im Jahr 2004 wurde sie das erste Mal mit der Aufgabe betraut, Kostüme für eine Theaterproduktion zu entwerfen und zu nähen. Für das Visper Theater arbeitet sie seither regelmässig. Inzwischen ist sie im Vorstand der Laienbühne und verantwortlich für das Ressort Ge­stalterische Leitung. «Ich stand ein-, zweimal mit kleinen Rollen auf der Bühne, aber ich merkte bald, dass mein Platz hinter der Kulisse ist», sagt Claudia Pfammatter und lacht. Es folgten weitere Anfragen von anderen Bühnen. Die Kostüme für «Ds wilt Mandji» entwarf sie für die Aufführungen in den Jahren 2007 und 2017. «Bei diesem Volkstheater-Brauch konnte ich viele Erfahrungen sammeln. Bei Freilichttheatern gelten ganz andere Regeln als bei Aufführungen in einem Theatersaal. Licht und Dimensionen spielen hier eine besondere Rolle», erklärt die Fachfrau.

Enge Zusammenarbeit mit der Regie

Diese Erfahrungen kommen ihr nun bei der Produktion Umbra zugute. Für die Kostüme des Musicals arbeitet sie eng mit der Regisseurin Ste­fanie Ammann und dem Komponisten Raban Brunner zusammen. «Die Kostüme müssen den Vorstellungen der Regie entsprechen. In Gesprächen stimme ich meine Arbeit auf die Inszenierung der Regieverantwortlichen ab», sagt Claudia Pfammatter.

Sobald klar ist, in welche Richtung die Inszenierung gehen soll, entwirft sie ein Konzept und erstellt erste Skizzen. «Ich setzte mich mit der Mode der 1970/80er-Jahre auseinander. Sogar die Fotoalben meiner Eltern studierte ich dazu aufs Genauste», sagt sie augenzwinkernd. In Secondhand-Läden und Brockenstuben machte sie sich auf die Suche nach authentischen Stücken. «Da die Mode in diesem Jahr ein Revival des 1970er-Jahre- Stils feiert, haben wir so manches Stück wie Cordhosen oder enge Rollkragenpullover in den aktuellen Kollektionen verschiedener Modehäuser gefunden», sagt Claudia Pfammatter. Aber längst nicht alles konnte ab Stange gekauft werden. «Für Umbra nähten wir viele Kostüme selber. Dabei kann ich auf ein siebenköpfiges Team von echten Könnerinnen zählen», lobt die Kostümverantwortliche.

 

Keine Starallüren

Neben Kreativität verlangt ihr Auftrag einigen administrativen Aufwand. «Ich muss sehr genau Buch führen und im Auge behalten, dass wir uns im Budgetrahmen bewegen.»

Die Zusammenarbeit mit den Darstellerinnen und Darstellern des Umbra-Teams erlebt sie als unkompliziert. «Die Stimmung ist gut und Star­allüren konnte ich bisher nicht ausmachen», sagt sie. Sie habe bei anderen Produktionen schon erlebt, dass Darstellende keine Kunstfasern oder Leder tragen wollten. Manche hätten ihr auch schon gesagt, sie würden lieber selber ein Kostüm besorgen, weil ihnen Farbe oder Schnitt nicht gefiel. Da versuche sie, in Gesprächen Lösungen zu finden. «Aber alles bis zu einem gewissen Punkt. Wenn eine Rolle ein bestimmtes Kostüm verlangt, sollte sich das Individuum in den Dienst der Figur stellen und nicht umgekehrt», ist die Kostümverantwortliche überzeugt.

Inspirierende Oberwalliser Szene

Theater ist Claudia Pfammatters Welt. In früheren Jahren träumte sie davon, in einem grossen Theater Fuss zu fassen. «Das habe ich inzwischen aufgegeben. Zum einen, weil das mit meiner Familie schwierig zu organisieren wäre, und zum anderen, weil ich die Oberwalliser Theaterszene als sehr in­spirierend und dynamisch erlebe», nennt sie die Gründe für ihren Verzicht. Für die Umbra-Aufführungen hofft sie dies: dass dem Publikum gefällt, was es zu sehen und zu hören bekommt. Wenn nur ein Fünkchen von Claudia Pfammatters Begeisterung für das Projekt auf die Zuschauerinnen und Zuschauern überspringt, wird das zweifelsohne der Fall sein.

Zurück

Sponsoren

Ein umbrastisches Dankesschön an alle Sponsoren und Gönner